Unserer Dirigent

Kazuo Kanemaki
Dirigent des Seemanns-Chors
Ein Leben für die Chormusik in Hamburg

Unser Dirigent_Foto www.kazuo-kanemaki.com

(Foto2 Kazuo Kanemaki_Foto www.kazuo-kanemaki.com)

Es war vor 34 Jahren, als Kazuo Kanemaki dem Seemanns-Chor Hamburg als neuem Leiter vorgestellt und empfohlen wurde. „Man hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören können, so still und gespannt waren wir“ erinnert sich noch heute ein Sänger, der damals den ersten Auftritt des jungen Mannes miterlebte. Aus dem erwartungsvollen Respekt vor dem neuen Chorleiter ist im Laufe der Jahre ein kameradschaftlich herzliches Miteinander geworden. Inzwischen ist Kazuo Kanemaki der am längsten beim Seemanns-Chor amtierende Chorleiter.

Sieben Chöre leitet Kanemaki zwischenzeitlich in und um Hamburg und kennt auch bei der Zahl der Sänger keine Grenzen: über 16.000 bildeten 1996 und 1998 im Hamburger Hafen den „Größten Shantychor der Welt“ und verhalfen zur Eintragung im „Guinness-Buch der Rekorde“.

Als freischaffender Dirigent leitet er u.a. das Sinfonie Orchester Berlin, die Hamburger Camerata, Göttinger Symphoniker, Tokyo Philharmoniker, das Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra, die Shanghai Symphoniker, New York Concert Artists und die Jungen Stimmen Russland.

Zu seiner Tätigkeit als Botschafter durch Musik ist Kazuo Kanemaki im Jahr 2001 mit dem Portugaleser „Bürger danken" im Hamburger Rathaus geehrt worden.

Im Januar 2015 wurde er zum Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Joachim Gauck eingeladen mit der Begründung, „Kazuo Kanemaki hat sich durch Musik für internationale Begegnung und Völkerverständigung eingesetzt."

Im März 2017 dirigierte Kazuo Kanemaki Carl Orffs „Carmina Burana" im Musikverein Wien mit der Orchestergemeinschaft der Wiener Philharmoniker. Aufgrund seines Erfolges hat der Musikverein Wien ihn für das Jahr 2020 anlässlich des 250. Jubiläumsjahres Ludwig van Beethovens verpflichtet, die 9. Symphonie und weitere Konzerte zu dirigieren.

Mit seiner dynamischen Art begeistert Kazuo Kanemaki Chöre, Orchester und Publikum gleichermaßen.

 

Ein Leben für die Chormusik in Hamburg

Im Jahre 1974 entschloss sich Kazuo Kanemaki  in Hamburg zu bleiben und an der Musikhochschule Dirigat zu studieren. Das sollte sich für den Seemannschor als großes Glück erweisen, denn Kazuo Kanemaki ist seit dem 1. Oktober 1985 unser Dirigent. Das Interview soll Einblicke und Ausblicke seiner Arbeit mit dem Seemannschor  erschließen.1)

Frage: Sie sind von den 100 Jahren des Bestehens des Seemannschores über ein Drittel, genau 34 Jahre, Chorleiter. Sind sie ein Fan der maritimen Musik?

 

Kanemaki: Meine erste Wahl ist die maritime Musik nicht. Es ist Volksmusik und es ist wert, gepflegt, verbreitet und  weiterentwickelt zu werden. Das ist der Reiz, neben dem Broterwerb.

Frage: Sie stehen als Gastdirigent in Berlin, Wien und New York am Dirigentenpult. Was reizt Sie daran, nun schon so lange mit Laien zu arbeiten?

Kanemaki: Ja. es ist schon manchmal mühsam. Aber es entstehen menschliche Beziehungen in denen ich mich weiterentwickle und ebenso die Chormitglieder. Und das ist für mich eine große Freude, aus der ich Kraft schöpfe.

Frage: Was ist anders bei der Arbeit mit Profis und der mit Laien?

Kanemaki: Bei der Arbeit mit professionellen Musikern gehe ich davon aus, dass sie ihre Stimme, ihr Instrument beherrschen und meine Kompetenz darin liegt, eine spezielles Klangbild, Färbung und Emotion zu erreichen. Es herrscht Vertrauen in die Kompetenz des Dirigenten. Bei Laien spüre ich dieses Vertrauen manchmal nicht. Nach meiner Erfahrung wächst dieses Vertrauen im Chor aber dann, wenn ich trotzdem nicht aufgebe und es mit Geduld und Kreativität schaffe, den Chor auf das nächst höhere Niveau zu heben. Der Erfolg der daraus entsteht ist die Belohnung für mich und sichtbar auch für den Chor.

Frage: Bei Auftritten des Seemannschores im Rahmen von Shantychor-Treffen z.B. im Berliner "Haus des Rundfunks" oder im Leipziger "Gewandhaus", wie schätzen Sie die Performance unseres Chores im Vergleich zu den anderen.

Kanemaki: Die Qualität des Chores bei diesen Auftritten sticht nach meinem Empfinden deutlich hervor. Das liegt zum Einen an der Vierstimmigkeit im Gegensatz zur sonst üblichen Ein- bis Zweistimmigkeit. Das Klangbild unseres Chores wirkt so voller. Zum anderen sind unsere Stimmen geforderter, was ich darauf zurückführe, dass wir neben Seemannsliedern auch klassische Lieder singen. Das trainiert die Stimmen, fördert die Aussprache und fordert die volle Konzentration.

 

 Frage: Wie könnte sich der Chor in der Zukunft noch verbessern. Welche Ziele haben Sie?

 

Kanemaki: Zunächst habe ich ein ganz pragmatisches Ziel. Nachdem wir unsre Kräfte für den  Auftritt in der Elbphilharmonie stark angespannt haben, wollen wir uns erholen, auf keinen Fall  erschöpft auseinanderbrechen. Es ist kein Ende sondern ein Neuanfang.  Als Ziel nehme ich mir vor, die Aufnahmefähigkeit der Sänger für musikalisches Grundwissen und Texte zu erhöhen. Ein weiteres wichtiges Ziel, gegenseitiges Vertrauen auszubauen.

Frage: Woran werden wir bemerken, dass wir diesem  Ziel näher gekommen sind?

Kanemaki: Ich habe vorhin schon von Widerstand in den Chorproben gesprochen. Da muss ich lernen, geschickter zu agieren. Auch der Chor hat Lernbedarf. Wenn ich etwas aus musikalischen oder stimmenbildnerischen Gründen ansage und der Chor es befolgt, ist ein Höchstmaß an Vertrauen und Akzeptanz erreicht. Das schließt natürlich ein, dass die Sänger das Recht haben, den Grund der Anweisung genau zu verstehen. Und da kann ich zulegen.

Frage: Sie sprechen von gegenseitigem Lernen. Die Sänger haben durchweg ein beachtliches Alter.

Kanemaki: Ja ich auch und das Lernen hört nie auf! Zum Beispiel fördert es nach meiner Erfahrung das Lernen, wenn Sänger ohne Barriere, also in der ersten Reihe im Proberaum sitzen oder stehen. Eine variable Sitzordnung ist dabei förderlich. Für solche technischen Entwicklungen möchte ich Verständnis fördern.

Frage: Nach diesen handfesten Einschätzungen, Wünschen und Zielen möchte ich etwas Privates ansprechen: Was ist Ihre Lieblingsmusik?

Kanemaki: Klassische Musik, zur Zeit sind die Werke von Johannes Brahms meine   Vorliebe. In der Freizeit höre ich auch sehr gern Jazz vor allem von Big Bands, Charlie Parker, aber auch Count Basie usw.

 

Frage: Sie leiten in Hamburg  sieben Chöre und sind mit Übungsabenden und  Auftritten, beaufschlagt. Sie bewältigen daneben nationale und internationale Engagements. Das hört sich nach Stress an. Wie schaffen Sie das?

 

Kanemaki: Als gläubiger Buddhist praktiziere ich  täglich bestimmte Übungen, die mir Kraft geben und mich immer wieder aufbauen. So habe ich sogar noch Zeit und Energie in der Gemeinde Hilfsbedürftige zu coachen.

Frage: Und zum Schluss: Packt Sie manchmal das Heimweh?

Kanemaki: Als meine Mutter noch lebte, hatte ich Heimweh. Jetzt ist es seltener, aber Saeko, meine Frau, sehnt sich mehr nach zu Hause.

Herr Kanemaki ich danke Ihnen für das Gespräch.

 

1) Das Interview wurde von dem Chormitglied Dr. Gunnar Endruweit geführt.